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Der im Jahr 1993 an einer viralen Hirnentzündung erkrankte Michael Hutter aus Kriessern kann dank unerschütterlichem Willen und einem verständnisvollen Arbeitgeber auf 20 Berufsjahre zurückblicken.

Kriessern. Nach einem halben glücklichen Jahr an der damaligen Sekundarschule in Oberriet erkrankte Michael Hutter an einer viralen Hirnentzündung. Elf Tage lag er im Koma und nach der rechtsseitigen Lähmung war er auf den Rollstuhl angewiesen. Das gesamte Wissen fehlte von einer Stunde auf die andere, an nichts habe er sich damals mehr erinnern können. „Selbst meine Eltern kannte ich nicht mehr“, sagt der glückliche Berufsmann. Er arbeitet 80 Prozent bei Lorenz Dietsche, Schreinerei, seinem Arbeitgeber der ersten Stunde.

Wie neu geboren

Nach vielen Wochen des Spitalaufenthalts und unterschiedlichsten Therapien machte Micheal Hutter kleine Fortschritte. Dass er weder seine Eltern noch sein Elternhaus erkannte, gehörte nach vielem Lernen und einem unvorstellbar starkem Willen der Vergangenheit an. Auf Musik sprach er als erstes positiv an. Bereits in der Primarschule erlernte er das Klarinettenspielen. Seit Jahren ist er wieder in der Musikgesellschaft Kriessern aktiv und auch vollständig integriert. Nach dem Aufenthalt im Rehabilitationszentrum in Affoltern am Albis, dem Schulunterricht und der Förderung in verschiedensten Bereichen, sei er sich wie neu geboren vorgekommen. Das Leben begann für den strebsamen jungen Mann von Neuem.

Von Grund auf aufgebaut

Nach der Schul- und Rehabilitationszeit erfolgte das Schnuppern in verschiedenen Berufen. Bald stellte sich heraus, dass für Michael nur ein Kleinstbetrieb in Frage kam, bei dem nur eine Person für ihn zuständig sein würde. Durch einen glücklichen Zufall konnte er bei Lorenz Dietsche mit Erfolg ein Aufbaujahr vollenden. Die grosse Geduld, das Eingehen auf seine Beeinträchtigung hat sich für beide gelohnt. Nach diesem Jahr absolvierte er mit eisernem Willen eine zweijährige Anlehre und ergänzte diese mit einem zusätzlichen Jahr des Repetierens. Seit 20 Jahren arbeitet er nun im Betrieb seines Lehrmeisters. Michael Hutter sagt: „Lorenz Dietsche war immer ein sehr guter, verständnisvoller und geduldiger Chef, wofür ich ihm dankbar bin.“ Dietsche ergänzt: „Nicht aufgeben war für beide das oberste Ziel, uns war bewusst, dass durch ein langes, geduldiges Aufbauen etwas erreicht werden kann.“ Schön sei auch, dass sein Angestellter im Dorf sozial vollkommen integriert sei und nicht zuletzt, dass auch die Eltern nie an ein Aufgeben gedacht hätten.

Heute fährt Michael Hutter grosse Strecken mit dem Velo. Er habe immer den Velocomputer „Garmin“ dabei, damit er nachher die Strecken anschauen und bearbeiten kann. Das Fotografieren hat er ebenfalls gelernt und ist im Photoclub Mittelrheintal dabei. Bei Fragile Suisse nimmt er regelmässig an den Kontakt- und Weiterbildungsanlässen teil. Auch das Autofahren hat der strebsame Schreiner gelernt. Dies und vieles Weitere gehört zu seiner „neuen Geburt“. (Zeitungsbericht von Rösti Zeller)

Beim Kriessner Gwerblerfrühling zeigte sich die Firma Lorenz Dietsche zusammen mit dem Floristik-Geschäft Wurzelwerk von seiner besten Seite! Es wurden Kundenkontakte gepflegt und das Zusammensein genossen.